SAP Recipe Management ablösen: SAP Recipe Development oder SAP IPD?

SAP Recipe Management ablösen: SAP Recipe Development oder SAP IPD?


Für Unternehmen, die SAP Recipe Management unter SAP ERP 6.0 einsetzen, steht ein Termin fest: Am 31. Dezember 2027 endet die Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 mit den Enhancement Packages 6 bis 8. Die optionale Extended Maintenance bis Ende 2030 verschafft Zeit, kostet aber zusätzlich und ändert nichts an der Richtung.

In SAP S/4HANA steht das klassische Recipe Management (PLM-RM) in der bisherigen Form nicht mehr zur Verfügung. Unternehmen der Prozessindustrie müssen also entscheiden, wo ihre Rezepturentwicklung künftig läuft. Zur Wahl stehen SAP Recipe Development in SAP S/4HANA und SAP Integrated Product Development (SAP IPD) als SaaS auf der SAP BTP, das mit SAP S/4HANA verbunden wird. Auch eine Kombination ist möglich.

Was im alten System steckt

In vielen Unternehmen der Chemie-, Lebensmittel- und Life-Sciences-Industrie läuft PLM-RM seit vielen Jahren. Dort liegen Rezepturen, Formeln und Spezifikationen, verknüpft mit Produktion, Materialwirtschaft und Qualitätsmanagement. Mit der Zeit sind eigene Erweiterungen, Berechnungen und Schnittstellen dazugekommen. Genau diese Erweiterungen machen den Umstieg aufwendig, denn sie lassen sich nicht einfach in ein neues System übernehmen.

Zwei Zielsysteme für zwei Arbeitsweisen

SAP Recipe Development hält die Rezepturentwicklung in SAP S/4HANA. Es verwaltet Rezepturen, Formeln und Zutaten, greift auf die Spezifikationsdaten zu, rechnet und steuert die Freigabe. Der größte Vorteil ist der kurze Weg zu Produktion, Materialwirtschaft und Qualitätsmanagement. Es passt zu Unternehmen, die ihre Entwicklung eng am ERP halten und ihre Prozesse dabei aufräumen wollen.

SAP IPD ist der Cloud-Ansatz von SAP für PLM. Spezifikationsmanagement, Formulierung und Zusammenarbeit mit Partnern laufen auf einer Plattform, die Entwicklungsdaten gehen über Schnittstellen an SAP S/4HANA. Es passt zu Unternehmen mit verteilten Entwicklungsteams, vielen Standorten und engem Austausch mit Lieferanten. Vorab muss allerdings geklärt sein, welche Daten in SAP IPD und welche in SAP S/4HANA führend sind.

Wie SAP IPD Spezifikationsmanagement, Formulierung und Collaboration im Detail abbildet, beschreiben wir in unserem Beitrag SAP Integrated Product Development (SAP IPD): Digitales Produktdatenmanagement & Collaboration für die Prozessindustrie.

Zwei Wege, die in die Sackgasse führen

1. Alles 1:1 übernehmen. Rezepturen, Spezifikationen und Z-Entwicklungen ziehen ungeprüft ins neue System. Die Folge: Altmodifikationen und Dubletten werden „gerettet“, und das neue System erbt die Probleme des alten.

2. Nach der Produktfolie entscheiden. Die Wahl fällt auf die neueste Lösung, weil sie neu ist, oder auf das ERP, weil man es kennt. Die Folge: Die Entwicklung arbeitet am System vorbei, und neben der neuen Lösung entstehen wieder Excel-Listen.

Unser Vorgehen in drei Schritten

1. Bestandsaufnahme und Fit-Gap-Analyse. Wir analysieren die bestehenden Prozesse, Datenstrukturen, Schnittstellen und Erweiterungen und legen sie neben SAP Recipe Development und SAP IPD. So wird sichtbar, welche Funktionen fehlen und welche Erweiterungen wegfallen können.

2. Zielarchitektur und Proof of Concept. Wir legen fest, welches System für welche Daten führend ist, und wählen die Migrationsstrategie. Ein Proof of Concept mit repräsentativen Rezepturen und komplexen Rezepturhierarchien prüft die kritischen Prozesse, bevor das Projekt in die Breite geht.

3. Migration in Etappen. Wir bereinigen und übernehmen die Daten, testen die Integration und schulen die Anwender. Erst ein Pilotbereich, dann der Rollout.

Fragen, die Sie vorab klären sollten

  • Welche Rezepturen und Spezifikationen sind noch aktiv, und wie sauber sind ihre Verknüpfungen?
  • Welche Funktionen von PLM-RM nutzen Sie wirklich, und wo weicht das Zielsystem davon ab?
  • Welche Erweiterungen und Berechnungen bilden echte Anforderungen ab?
  • Wie kommen freigegebene Rezepturen künftig in Produktion und Materialwirtschaft?
  • Wie sichern Sie Datenintegrität und Rückverfolgbarkeit während der Migration?

Fazit

Eine Empfehlung für alle gibt es nicht. Wer eng am ERP entwickelt, ist mit SAP Recipe Development gut aufgestellt. Wer stark mit Partnern und an vielen Standorten entwickelt, sollte SAP IPD prüfen, und viele Unternehmen landen bei einer Kombination. Der Wartungstermin ist kein Grund für eine überhastete Migration, aber ein guter Anlass, die eigenen Rezepturdaten aufzuräumen. Voraussetzung für beide Wege bleibt eine saubere Datenbasis.

SI PRO begleitet Unternehmen der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie seit vielen Jahren bei SAP PLM und im Rezepturmanagement.

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Christian Illius

Christian Illius

SAP PLM | Life Science & Chemie | Prozessindustrie | Partner bei SI PRO Consulting

Als Partner bei der SI PRO GmbH liegt mein Schwerpunkt auf SAP Product Lifecycle Management für die Prozessindustrie. Zusammen mit meinem Team unterstütze ich Unternehmen dabei, ihre Produktentwicklungsprozesse zu digitalisieren, effizienter zu gestalten und nachhaltig in bestehende SAP-Landschaften und -Prozesse zu integrieren. Unsere Arbeit verbindet technisches Verständnis, Prozesskompetenz und langjährige Projekterfahrung. Mein Ziel ist es, durch praxisnahe Beratung belastbare Systemlösungen zu implementieren und unseren Kunden Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie ihre PLM-Prozesse konsequent und nachhaltig an die sich schnell verändernden Anforderungen der Märkte anpassen können.

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