Clean Core in der Life-Science-Branche: Wie der Spagat zwischen GxP-Compliance und S/4HANA Cloud gelingt

Clean Core in der Life-Science-Branche: Wie der Spagat zwischen GxP-Compliance und S/4HANA Cloud gelingt


Der Zielkonflikt der Life-Science-IT

Die strategische Ausrichtung der SAP ist eindeutig: Cloud First und Clean Core. Mit Transformationsprogrammen wie RISE with SAP fordert der Walldorfer Softwarekonzern Unternehmen dazu auf, ERP-Systeme nah am Standard zu betreiben, um kontinuierlich von neuen Innovationen, BTP-Services und KI-Funktionen zu profitieren.

Für IT- und Qualitätsverantwortliche in der Life-Science-Branche löst diese Vorgabe jedoch regelmäßig erhebliche Zielkonflikte aus. Über Jahre oder Jahrzehnte hinweg wurden SAP-Systeme in Pharma, Biotech und Medizintechnik intensiv modifiziert (Z-Entwicklungen, User-Exits, Eigenentwickelte Tabellen), um die strengen Vorgaben von FDA, EMA und GxP-Richtlinien lückenlos im Kernprozess abzubilden.

In der Praxis entsteht daraus das Clean Core Dilemma: Wie lässt sich ein System standardisieren und updatefähig halten, wenn jede Prozessänderung im regulierten Umfeld hohe Re-Validierungsaufwände und Risiken nach sich zieht?

Warum der klassische Ansatz in S/4HANA scheitert

Unternehmen, die eine S/4HANA-Transformation planen, stehen vor zwei extremen Wegen, die beide Risiken bergen:

Der „Lift-and-Shift“-Ansatz (Brownfield ohne Anpassung)

Altmodifikationen werden eins zu eins ins neue System gerettet.
Die Folge: Das System bleibt starr, Cloud-Updates werden zum Risikofaktor und der Zugang zu modernen Innovationen (z. B. AI Agents im Supply-Chain-Management) bleibt versperrt.

Der „Lift-Der „Brechstangen“-Ansatz (Pure Greenfield)

Prozesse werden radikal in den Standard gepresst, ohne Branchenspezifika abzufangen.
Die Folge: Hoher Widerstand in den Fachabteilungen, Verlust etablierter Audit-Sicherheiten und im schlimmsten Fall drohende Compliance-Verstöße.

Der Beratungssansatz: Architektonische Entkopplung statt harter Kompromisse

Als spezialisiertes SAP-Beratungshaus verbindet SI PRO tiefes Prozess-Know-how in Life Sciences, PLM, QM und Product Compliance mit moderner SAP-Architekturkompetenz. Wir zeigen unseren Kunden, dass Clean Core und GxP-Compliance kein Widerspruch sein müssen.

Der Schlüssel liegt in einer sauberen Entkopplungsarchitektur nach dem Prinzip „Compliance by Design“:

1. ERP-Kern im Standard belassen (Clean Core)

Der S/4HANA-Kern übernimmt die standardisierten Hauptprozesse (z. B. Finanzwesen, Einkauf, Basis-Logistik). Hier werden keine tiefgreifenden Z-Entwicklungen mehr zugelassen. Das stellt sicher, dass automatische SAP-Release-Updates reibungslos durchlaufen.

2. Spezifische GxP-Logiken auf die SAP BTP auslagern (Side-by-Side Extensions)

Komplexe branchenspezifische Anforderungen – wie spezifische Algorithmen zur Überwachungen oder Sonderlogiken – ziehen als Side-by-Side-Anwendungen auf die SAP Business Technology Platform (BTP). Über vordefinierte, stabile APIs kommuniziert die BTP in Echtzeit mit dem ERP.

3. Einführung von Smart & Automated Validation

Damit kontinuierliche Cloud-Updates nicht zu monatelangen Testphasen führen, werden automatisierte Test- und Validierungs-Frameworks etabliert. Vor jedem Update prüfen strukturierte Test-Scripts automatisiert alle kritischen GxP-Pfade. Der Re-Validierungsaufwand sinkt dadurch drastisch.

Die Vorteile auf einen Blick

Zukunftssicherheit: Sie nutzen neue SAP-Innovationen und KI-Funktionen ab Tag 1.

Audit-Sicherheit: Ihre regulatorischen Sonderprozesse bleiben vollständig erhalten und isoliert steuerbar.

Kostenkontrolle: Der Aufwand für Regressionstests und manuelles Re-Validieren bei Updates wird spürbar reduziert.

Transparente Architektur: Klare Trennung zwischen Standard-ERP und Branchen-Erweiterungen.

Fazit

Das Clean Core Dilemma ist kein Grund, die S/4HANA-Transformation vor sich herzuschieben. Es verlangt jedoch ein Umdenken: Weg von der tiefen Verknüpfung im ERP-System, hin zu einer modularen, BTP-gestützten Architektur.

Stehen Sie in Ihrem Unternehmen vor der Herausforderung, den richtigen Weg für Ihre S/4HANA-Migration im regulierten Umfeld zu finden?

Unsere SI PRO Experten unterstützen Sie von der ersten Anforderungsanalyse über das Architektur-Design bis hin zur qualifizierten Umsetzung.

Christian Illius
Als Partner bei der SI PRO GmbH liegt mein Schwerpunkt auf SAP Product Lifecycle Management für die Prozessindustrie. Zusammen mit meinem Team unterstütze ich Unternehmen dabei, ihre Produktentwicklungsprozesse zu digitalisieren, effizienter zu gestalten und nachhaltig in bestehende SAP-Landschaften und -Prozesse zu integrieren. Unsere Arbeit verbindet technisches Verständnis, Prozesskompetenz und langjährige Projekterfahrung. Mein Ziel ist es, durch praxisnahe Beratung belastbare Systemlösungen zu implementieren und unseren Kunden Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie ihre PLM-Prozesse konsequent und nachhaltig an die sich schnell verändernden Anforderungen der Märkte anpassen können.

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